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#1 Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von christine 26.09.2015 17:41

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Hallo!
Viele heizen jetzt das Frühbeet mittels Wärmelampen zu. In den dichten Frühbeeten wir es dann auch schnell warm und an Herbsttagen, wie diesen, kann man den Tieren durchaus noch Hochsommerliche Temperaturen vorgaukeln.
Ich frage mich jedoch, ob das für die Tiere auch wirklich gut ist?
Nach meinen Beobachtungen suchen die Tiere um diese Jahreszeit eher die kühlen Plätze auf. Den ganzen Sommer über, gehen sie Abend für Abend ins Gewächshaus. Kaum wird es jedoch draußen herbstlich bleiben sie draußen im Freigehege. Sie suchen sich keine sonnigen Plätze, sondern ganz im Gegenteil vergraben sie sich an kühlen schattigen Plätzen.
Sperr ich sie dann ins Frühbeet und heize dieses auch noch zu, so sind sie unruhig und fühlen sich offensichtlich nicht wohl.
Nach diesen Beobachtungen habe ich es schon lange aufgehört ihnen im Herbst noch Lampen oder zusätzliche Wärme anzubieten. Die biete ich ihnen nur im Frühling, wenn es nach warmen Sonnentagen über mehrere Tage (ab 2 Wochen) kühl und regnerisch bleibt, die Tiere jedoch schon zu Fressen begonnen haben. Das war bisher erst ein einzige Mal, nämlich im Frühling 2012.
Nun frage ich mich, ob es für die Tiere wirklich Sinn macht sie um diese Jahreszeit künstlich warm zu halten. Oft liest man sogar von Herbstgelegen oder schlimmstenfalls sogar von Legenot, bzw. herbstlichen Eiern im Bauch. Ob das von ZU VIEL Wärme kommt?
Sehr gerne beobachte ich das Wetter in den Habitatsgebieten http://www.wetteronline.at/wetterprognose/varna und auch da gibt es um diese Jahreszeit empfindlich kalte Tage. Es gab sogar Zeiten, da war es in Österreich wärmer, dann wieder andersrum – aber wirklich Heiß ist es dort auch nicht mehr.
Lg
christine

#2 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Mayer 26.09.2015 20:01

Ich hab auch so einen Wetterlink, liebe Christine: http://14-tage-wettervorhersage.de/de/we.../aktuell/47311/ Das ist Obzor, ganz in der Nähe der Schildkrötenstation von Ivo. Momentan ist es dort entschieden wärmer, aber ich wundere mich auch immer, wie kalt es dort manchmal sein kann.

Du sprichst etwas was an, was mich immer sehr gewundert hat, wenn ich schon von wundern spreche: Meine halbwüchsigen Krötchen und auch die Erwachsenen geben sich im Sommer die volle Wärme: Die sitzen am Abend noch bei 35 Grad im Schutzhaus und und genießen Backofentemperaturen. Kaum ist der Herbst da, schlafen sie aushäusig irgendwo kalt und manchmal auch nass unter einer Pflanze oder in einer Höhle. Wo es doch im Frühbeet so kosig warm wäre. Aber nein, sie gehen raus und nächtigen an den unwirtlichsten Stellen, die blöden Viecher. Einige Zeit hab ich sie am Abend gesucht und sie ins Frühbeet gesetzt. Aber am nächsten Tag war es wieder dasselbe. Daher hab ich damit aufgehört.

Jetzt wo du das schilderst, wundert es mich nicht mehr. Ist dieses Phänomen schon irgendwo beschrieben? Ich hab nämlich nirgends davon gelesen. Höchstens vom Zuheizen an kalten Herbsttagen. Ist es möglich, dass so ein Verhalten bis jetzt nicht bemerkt wurde?

Jedenfalls die Kröten werden wissen, warum sie nicht ins wesentlich gemütlichere Frühbeet gehen. Was ist die Erklärung? Vorbereitung auf den Winterschlaf?

Deine Schildkröte, das unbekannte Wesen!

Liebe Grüße!

Herbert

#3 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Fussel 27.09.2015 13:28

Hallo Christine,
das ist schon eine Überlegung wert.
Ich glaube, man verliert das Vertrauen in den Instinkt der Tiere!
Wie so oft, kann man hier nichts pauschalisieren. Das eine Tier ist wärmebedürftiger, als das andere.
Ich bin jetzt mal ganz mutig:
In unseren Frühbeeten hängt nur eine Elstein- Wärmelampe, die nur nachts über einen Thermotimer läuft. Sonst wird die Technik per Hand gefahren.
Jeder muss seine Tiere kennenlernen, jedes hat unterschiedliche Bedürfnisse auf die wir als Halter eingehen müssen.
Jede Jahreszeit ist anders in jedem Jahr. Aus diesem Grund müssen nicht zum Herbst z.B. immer 20°C Umgebungstemperatur herrschen.....

Ich hoffe ihr versteht mich

LG Marianne

P.S.: Es brauch mir jetzt keiner kontern mit Berufstätigkeit ;) Während meiner Schildkrötenhaltung habe ich 2 Kinder großgezogen, bin mittlerweile freiberuflich und arbeite nicht gerade wenig ;)

#4 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von christine 27.09.2015 17:13

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Hallo Marianne!
Du bist hier im richtigen Forum!!! Hier darf, ja soll sogar alle hinterfragt werden!
Ich selbst habe zwar die Möglichkeit Lampen zu verwenden, wie schon geschrieben verwende ich diese aber nicht.
In den letzten Tagen war es richtig kalt, die Tiere völlig inaktiv. Das bedeutet natürlich, dass sie keine Energie auftanken konnten (sie sind ja ganz und gar auf Sonnenenergie angewiesen) Sie haben allerdings in den letzten Tagen auch keine verbraucht.
Heute scheint wieder sie Sonne und sie genießen diese auch. Draußen ist es kalt, im Gewächshaus jedoch wunderbar warm – wie eben im Süden wo sich ihr Biotop haben.
Mein Gefühl (und auch der Blick auf die Wetterkarte der verschiedenen Habitate) sagt mich, dass das so genau richtig für die Tiere ist.
Im Gewächshaus sind sie bereits eingesperrt, was ihnen jedoch nichts ausmacht, schließlich sind sie bei weiten nicht mehr so aktiv wie im Sommer –es ist eben Herbst.
Lg
christine

#5 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Fussel 27.09.2015 17:51

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich über Frühbeete verfügen mit 16mm Alltop- Verglasung.
Die Qualität der Verglasung spielt meiner Meinung nach eine sehr große Rolle bezgl. der Isolierung und Lichtintensität.

Um nochmal auf die späten Eiablagen zu kommen, da sollte man auf jeden Fall sein Temperaturmanagment überdenken.
Im letzten Jahr übernahm ich ein adultes Weibchen. Die frühere Halterin wies mich öfters darauf hin, dass sie zu Herbstgelegen neigt.
Sie hat weder letzten Herbst noch in diesem gelegt und es sind auch keine Anzeichen zur bevorstehenden Eiablage vorhanden. Im Gegenteil, im Vergleich zum letzten Jahr normalisiert sich ihr Verhalten zusehends.
Im Juni legte sie 8 Eier, wobei manche riesig waren! Ich hatte schon Angst vor einer Legenot, ging aber alles gut.

Als ich der Halterin ein Feedback über ihren früheren Schützling schickte, war sie ganz entsetzt, das sie nur ein Gelege hatte! Ich schrieb ihr, dass das doch vollkommen in Ordnung sei, ich habe mit gar keinem Gelege gerechnet.

LG Marianne

#6 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von christine 27.09.2015 19:25

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Ja, das sehe ich wie du.
In der Natur hätten so späte Gelege überhaupt keine Chancen und ein Gelege um diese Zeit wäre absolut unsinnig. Es gibt jedoch nichts Unsinniges in der Natur. Es gibt Überfluss, aber keinen Unsinn
lg
christine

#7 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Mayer 27.09.2015 21:35

Ich möchte meinen Beitrag noch ergänzen: In der Wärme des Frühbeets sitzen nur: meine 80-jährige Boettgeri, die frisst sogar noch und ist voriges Jahr spät in die Winterruhe gegangen, und die heurigen Schlüpflinge. Sonst sitzt alles irgend wo unter einem Gebüsch.

LG. Herbert

#8 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von noebis2 28.09.2015 07:33

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Guten Morgen,
also ich habe im Frühbeet die Lampen an. Nachdem ich jetzt eine Kamera installiert habe (sie war eigentlich für die Schafe gedacht, wurde jetzt aber zweckentfremdet), kann ich auch in der Arbeit beobachten wie sie sich verhalten. Sie wärmen sich auch auf unter den Lampen. Allderdings nicht sehr lange. Dann fressen sie und suchen sich gerne einen Platz in der Nähe der Lampen, wo es anscheinend noch warm ist aber eben nicht so, wie direkt darunter. Oder wenn sich der Deckel öffnet und die Sonne hereinscheint liegen sie auf einem Platz wo sie die direkte Sonne genießen können. Manche ziehen sich aber auch gerne in die externe Schlafgrube zurück in der es kühler ist. Ich denke, dass sie so viel natürlichen Instinkt haben, dass sie wissen, was gut für sie ist. Insofern gebe ich ihnen die Möglichkeit sich unter den Lampen aufzuwärmen und sie nutzen das auch. Und wenn es ihnen zu viel ist gehen sie halt wieder. Wie es ihnen beliebt und gefällt. Liebe Grüße. Ulli

#9 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Mayer 28.09.2015 09:53

Bei mir hats in den Frühbeeten über 30 Grad, wenn die Sonne scheint. In der Sonne selbst im Frühbeet ist es noch wärmer. Also die Krötchen können sich die volle Bulle geben derzeit, wenn sie wollen. Aber nur wenige tun es. Wenn zwischendurch einmal ein paar verregnete Tage sein sollten, so würde ich sagen: die Natur waltet, um die Tiere auf die Winterstarre vorzubereiten.

Wie kommt es zu so verschiedenen Beobachtungen? Die Ulli hat ja ganz andere Erfahrungen. Und jeder von uns möchte es den Schildkröten recht machen. Wahrscheinlich spielen da Dinge rein, die wir gar nicht kennen. Den Göttern sei Dank, dass die Viecher anscheinend so ein weites Repertoire haben, um mit vielem zurecht zu kommen.

Das müssen sie auch - denn um bei den Iberas zu bleiben - sie besiedeln weite Räume: Bulgarien und Südtürkei, da gibt es gewaltige Unterschiede.

Liebe Grüße

Herbert

#10 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von noebis2 28.09.2015 11:08

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Ich wollte noch ergänzen, dass meine jederzeit ins Freigehege gehen könnten. Das tun sie allerdings momentan nicht. Da ziehen sie sich eher in die Schlaf-/Überwinterungsgrube zurück. Da ist es wärmer als im Freien und kühler als im Frühbeet. Liebe Grüße. Ulli

#11 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Barbara61 04.10.2015 19:31

Hallo,

ich denke, in einer schönen sonnigen Lage und mit einem super guten Gewächshaus kann man (fast) ohne Lampen auskommen. Ich habe das für mich so entschieden, dass ich Lampen anbiete, verbunden mit einer Zeitschaltuhr und einem UT 200 - d.h. die Lampen gehen in der Zeit von 8.00 -18.00 Uhr nur bei Bedarf an. Das war - seit mein Gehege in den sonnigen Vorgarten umgezogen ist - sehr selten der Fall. Wir haben sogar 200 Euro Strom zurückbekommen, und ich denke, dass liegt an der wesentlich sonnigeren Lage und auch an dem Gewächshaus mit 16 mm Dreifachstegplatten. Aber ich fühle mich einfach besser damit, dass im Notfall die Lampen angehen, auch wenn ich mal in Urlaub bin und es eine Schlechtwetterperiode gibt. Ob Lampen ja oder nein muss meiner Meinung nach jeder für sich entscheiden, nach klimatischer Lage des Wohnortes, nach Sonnenlage des Geheges im eigenen Garten und auch nach Qualität des Schutzhauses.

#12 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von gunda 13.10.2015 20:42

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Hallo Christine und alle anderen,
ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man in einem guten Frühbeet oder Gewächshaus ohne großen Aufwand Temperaturen hinbekommt, wie im Habitat. Besser gesagt, wie in manchen Habitaten. Die Lebensräume sind ja sehr vielfältig. Natürlich gibt es auch Gegenden, wo es jetzt noch relativ warm ist.
Auf Lampen kann ich in meinen Frühbeeten leider nicht komplett verzichten. Das Frühbeet für meine Semiadulten ist im Herbst, wenn die Sonne schon tief steht, recht schattig. Die Adulten haben zur Zeit keine Beleuchtung, da sie im Gewächshaus zu jeder Tageszeit sonnige Flecken finden (sofern die Sonne scheint).
Herbert (Mr Tortoise Finder), ich habe in meinem Wetterlink Sozopol eingegeben. Es liegt im schönen Ropotamo-Gebiet :-)
LG
Gunda

#13 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von christine 13.10.2015 22:05

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Hallo Gunda!
Willkommen hier im Forum
Wie toll dich hier zu haben!!!!
Ja, es macht einen gewaltigen Unterschied ob ein Frühbeet dauerhaft im Schatten ist oder auch im Herbst noch Sonne abbekommt.
lg
christine

#14 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Mayer 13.10.2015 22:36

Wow, Gunda! Ein herzliches Willkommen und Servus!

Liebe Christine, ich wollte noch was zum Aushäusig-Schlafen sagen: Jetzt wo es ernst wurde mit Minusgraden, blieben alle brav im Frühbeet oder in geschützten Höhlen. Aber da sind sie schon bereit zum Starren.

LG Herbert

#15 RE: Halten wir unsere Tiere ZU Warm? von Geka 07.11.2015 09:45

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Auf die Frage: ja, ich glaube auch, wir halten sie teils zu warm.
Ich dachte auch immer, ich müsse in meinem Beckmann-Frühbeet zuheizen im Herbst, damit sie "heimatliche " Temperaturen haben. Aber die hat gar keine genutzt. 3 verbringen fast die ganze Zeit ab Mitte September in den kühleren Ecken und eine rennt nach draußen.
Dies Jahr waren wir ab der letzten Septemberwoche auf der kroatischen Insel Rab und unsere dortigen Freunde, die auch Hercis haben, berichteten, dass ihre Adulten sich kaum noch bewegen und an ihrer Lieblinsstelle unter der Palme liegen. Lustlos würden sie hin und wieder etwas knabbern. Die jungen kamen gar nicht mehr aus ihren Verstecken und frassen auch nicht mehr.
Da war ich beruhigt und jetzt weiß ich, dass ich sie mit übermäßiger Wärme eher störe in ihrem eigenen Jahresablauf.

LG Gundi

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