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#1 Die zwei Methoden der Überwinterung von Mayer 08.03.2016 09:33

So wie ich das sehe, gibt es zwei Methoden der Überwinterung, die sich prinzipiell unterscheiden:

1. Die "natürliche", mit Überwintern im Frühbeet. Die Tiere entscheiden selbst, wann sie sich eingraben.
2. Die Überwinterung in Räumen: Kühlschrank, Keller, Garage... Die Tiere bereiten sich auch selbsttätig auf die Winterruhe vor, leiten sie selbst ein, müssen dann aber zu irgend einem Zeitpunkt in den Überwinterungsraum gebracht werden.

Ich gehe davon aus, dass jeder von uns seine eigene Präferenz hat. Ich gehe weiters davon aus, dass beide Methoden ihre Berechtigung haben und sehr oft von äußeren Umständen bedingt werden.

Die zweite Methode hat aber zur Folge, dass Zwischendurch-Aufwachen im Normalfall nicht geht und nicht erwünscht ist. Damit muss man leben. Die Tiere und die Menschen. Im Kühlschrank wird das mit der Temperatur geregelt, in meinem Erdkeller z.B. bin ich teilweise von den äußeren Temperaturen abhängig und die Tiere könnten selbst aufwachen (das macht aber nur mein Herkules).

Und jetzt der Punkt, auf den ich hinaus will: Wie ist es zu sehen, dass die Tiere nicht zwischendurch auftauchen? Meine Antwort: entspannt. Ich glaube, dass es meinem Herkules, der immer am längsten wach ist, nicht essentiell was bringt, wenn er sich so lange herumquält. Er kommt nicht mehr auch nur annähernd auf Betriebstemperatur, hat kaum Aktivitäten und dümpelt einfach nur rum. Ich glaube, er hat keinen Vorteil gegenüber einer Schildkröte, die im Erdkeller eine Temperatur hat, die sich schrittweise dem idealen Zustand nähert, und über ideale Luftfeuchtigkeit verfügt.

Das hat aber auch mit meinen persönlichen Bedingungen zu tun, mit denen ich leben muss: die umgebende Bebauung vermindert die Effektivität der Frühbeete mit fortschreitendem Herbst entscheidend. Deswegen, glaube ich, taucht bei mir kein Schildkrötchen mehr auf, wenn es einmal abgetaucht ist. Also etwa vier Monate, sind meine Frühbeete ausgeschaltet, danach - wenn die Sonne einen gewissen Hochstand erreicht hat (das ist jetzt der Fall) - funktionieren sie hervorragend.

Warum ich das schreibe? Weil es ein Beispiel dafür ist, dass es nicht alle gleich machen können und auch nicht gleich machen müssen. Und dass es tatsächlich mehrere Wege gibt, es richtig zu machen. Ich glaube nicht, dass meine Tiere es schlecht haben, sondern ich bin überzeugt, dass ich ihnen Bedingungen biete, mit denen sie ganz gut zurecht kommen.

Eine weitere Folge aus dieser Betrachtung: NIEMAND VON UNS HAT DIE ALLEIN RICHTIGE METHODE.

Liebe Grüße!

Herbert

#2 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von 08.03.2016 10:02

Genau so sehe ich das auch, Herbert!
Und wie schon früher gesagt: Wer gute Erfahrungen mit seiner Überwinterungsmethode hat, hat doch keinen Grund, etwas daran zu ändern!
Wie hat es Gunda gesagt: Never change a winning horse.

Der Gesundheitszustand der Tiere mit der jeweiligen Überwinterungsmethode ist doch das einzige, ausschlaggebende Kriterium !

#3 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Hannelore 08.03.2016 14:08

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Hallo,
ich lese immer wieder von einer dritten Methode, die mit dem Übergangsterrarium, in dem die Schildkröten auf die Starre vorbereitet werden und in dem sie eine Weile leben nachdem der Mensch ihre Winterruhe beendet hat. Diese Methode empfehle ich nie, aber ich kenne Leute, die das seit vielen vielen Jahren so handhaben. Habe kürzlich noch mit einem Mann telefoniert, dessen Schildkröte jetzt 23 Jahre den Herbst und das Frühjahr so verbringt.

#4 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Mayer 08.03.2016 20:01

Es ist interessant die Überwintersdaten aus Bulgarien herzunehmen, s. den Thread "Dauer der Überwinterung im Habitat in Bulgarien".

Meine starren eine Spur länger am Stück ohne aufzutauchen (so eine Woche). Die Überwinterungsdauer bei mir und in Bulgarien ist fast gleich.

Das mag bei Kalabrischen z.B. schon wieder ganz anders sein.

LG Herbert

#5 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von christine 08.03.2016 20:04

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Ich glaube, nein, bin davon überzeugt, dass die ursprüngliche Herkunft der Tiere eine gar nicht so geringe Rolle spielt. Selbst unter meinen thb sehe ich deutliche Unterschiede.

#6 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von cassi 08.03.2016 20:19

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Zitat von Mayer im Beitrag #1

Die zweite Methode hat aber zur Folge, dass Zwischendurch-Aufwachen im Normalfall nicht geht und nicht erwünscht ist. Damit muss man leben.



Ich überwintere meine Tiere seit Jahren draußen im Gewächshaus, konnte aber noch nie beobachten, dass sie während einer Warmwetterphase, wie wir sie die letzten Winter häufig hatten, aufgewacht wären.
Allerdings sind die Temperaturen in der Überwinterungsgrube - ähnlich wie im Kühlschrank- recht stabil, wenn sie erstmal Starrewerte erreicht haben. Ob es da im Gewächshaus 15 oder -10 Grad sind, in der Grube bei den Tieren schwankt die Temperatur nur zwischen 3 und 6 Grad. Im Frühjahr, wenn sie wieder wach sind, kann es allerdings vorkommen, dass sie sich noch einmal eingraben, wenn das Wetter nicht mehr mitspielt.

LG
Dani

#7 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Cordula 08.03.2016 21:00

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Hallo,

Zitat von Geka im Beitrag RE: Müssen wir, sobald die Tiere erwacht sind, eine entsprechende Wärme halte?

Zitat
In Kroatien scheint das jedoch ganz anders zu sein, dort halten sie wohl eher eine durchgehend und lange (oft sogar sehr lange) Ruheperiode ein.


Ja, das stimmt. Wir sind jedes Jahr 2x auf der Insel Rab und dort gibt es noch einige wenige freilebende Tiere und es gibt ein paar Halter. Ein Bekannter von uns setzt alle paar Jahre semiadulte Tiere wieder in die Natur. Bei ihm haben wir Ende September beobachtet, dass die adulten Tiere im Halbschatten der Palme dösten (sie haben kaum noch gefressen) und die Kleine bereits vergraben waren. (Im Dezember bettet er sie in eine Plastikwanne um und setzt sie an eine überdachte Stelle, da ihm die ganze Brut in einem nassen Winter schon mal ertrunken ist.) Er sagte auch, dass er sie bis mindestens Ende März nicht mehr zu sehen bekommt.

LG Gundi



Zwei meiner Tiere sind zum Teil aus Vodice (Kroatien), Sie sind immer schnell im Herbst weg-was man ja den Hercis auch nachsagt. Es ist nahezu unmöglich, sie davon anzuhalten,
Ebenso kommen sie im Frühjahr erst spät wieder hoch.
Die anderen 2 sind aus einer Zuchtfarm aus der Slowakei, sie verhalten sich aber auch so.

#8 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Pauli&Juli 08.03.2016 21:26

Zitat von christine im Beitrag #5
Ich glaube, nein, bin davon überzeugt, dass die ursprüngliche Herkunft der Tiere eine gar nicht so geringe Rolle spielt. Selbst unter meinen thb sehe ich deutliche Unterschiede.


Zitat von Cordula im Beitrag #7

Zwei meiner Tiere sind zum Teil aus Vodice (Kroatien), Sie sind immer schnell im Herbst weg-was man ja den Hercis auch nachsagt. Es ist nahezu unmöglich, sie davon anzuhalten,
Ebenso kommen sie im Frühjahr erst spät wieder hoch.
Die anderen 2 sind aus einer Zuchtfarm aus der Slowakei, sie verhalten sich aber auch so.



Hallo,

ich habe ja zwei thb. Eine ist seit ca. 1 Woche im Frühbeet und hat sich sofort vergraben. Die zweite habe ich gestern Abend vom Kühlschrank ins Frühbeet umgesiedelt. Die Temperatur war bis heute, früher Nachmittag zwischen 4-6°.
Dann kam die Sonne heraus und es wurden kurzfristig ca.14°. Sofort war die zweite auch wieder vergraben. Ich habe den Eindruck, dass sie einfach noch weiter starren wollen. Kenne leider die Lokalform nicht, wäre für mich aber auch nahe liegend , dass sie eine große Rolle spielt.

LG Petra

#9 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Geka 10.03.2016 09:14

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Meine Herci-Nachzuchten aus Deutschland verhalten sich exakt wie Cordulas und auch wie die Tiere in Kroatien: SEHR früh bereiten sie sich auf die Starre vor und verschwinden spätestens zum 1.10. Und ja: es ist unmöglich, sie davon abzuhalten.
Wie ich letztes Frühjahr bemerkte, gehen sie in der Starre sehr tief. Daher kam auch keine heraus in den warmen Dezemberwochen. In der Tiefe hatten sie konstante Temperaturen.
Freiwillig heraus kamen im letzten Frühjahr die ersten in der letzten Märzwoche (die 4. habe ich ausgegraben, weil ich annahm, ihr sei etwas passiert. Sie saß noch in 60 cm Tiefe)

Deshalb habe ich jetzt angefangen, in der externen Grube mit der Deckelheizung zuzuheizen. So erwärmt sich die Erde und sie machen sich an den Aufstieg.

LG Gundi

#10 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Fussel 10.03.2016 12:08

Hallo,
ja, es ist schon interessant, wie verschieden die Tierchen reagieren.

#11 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Cordula 14.03.2016 23:24

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Zitat von Geka im Beitrag #9
Meine Herci-Nachzuchten aus Deutschland verhalten sich exakt wie Cordulas und auch wie die Tiere in Kroatien: SEHR früh bereiten sie sich auf die Starre vor und verschwinden spätestens zum 1.10. Und ja: es ist unmöglich, sie davon abzuhalten.
Wie ich letztes Frühjahr bemerkte, gehen sie in der Starre sehr tief. Daher kam auch keine heraus in den warmen Dezemberwochen. In der Tiefe hatten sie konstante Temperaturen.
Freiwillig heraus kamen im letzten Frühjahr die ersten in der letzten Märzwoche (die 4. habe ich ausgegraben, weil ich annahm, ihr sei etwas passiert. Sie saß noch in 60 cm Tiefe)

Deshalb habe ich jetzt angefangen, in der externen Grube mit der Deckelheizung zuzuheizen. So erwärmt sich die Erde und sie machen sich an den Aufstieg.

LG Gundi


Hallo,
ohne dass ich das Frühbeet etwas wärmer halte (im März bei 11 Grad) würden sie sicher viel länger weg sein. Nächstes Jahr werde ich trotzdem noch weniger zuheizen und das Ganze beobachten.

#12 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von christine 15.03.2016 07:28

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Hallo!
Da drängt sich doch förmlich die Frage auf:" Was ist es, was die Tiere zum Herauskommen bringt?"
Beim Einstimmen auf die Winterruhe ist es sicherlich nicht (nur) die Kälte, sondern auch das fehlende Licht. Eas ist es aber im Frühling? Unter der Erde mit der dicken Laubschicht kann es ja kaum das Licht sein und abgesehen davon kommen die Tiere ja auch im kalten Keller hoch.

#13 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von 15.03.2016 07:54

Guten Morgen!
Ich habe gehört, es seien bestimmte HORMONE, die die Tiere zum Beenden der Starre bringen. Erscheint auch sehr logisch - die Kühlschrankstarrer werden meistens zur gleichen Zeit wach (von selber!) wie die , die im Frübeet vergraben waren!

#14 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von Mayer 15.03.2016 08:22

Hallo!

Ich hab vor langer Zeit einen Artikel gelesen - es sollen auch gewisse Blutwerte sein, die automatisch das Erwachen bedingen. (Stoffwechselprodukte)

Wahrscheinlich ist es multifaktoriell.

Liebe Grüße!

Herbert

#15 RE: Die zwei Methoden der Überwinterung von 15.03.2016 14:22

Hallo !
Zu den Blutwerten: Unser Reptilien-TA hat uns gesagt, daß die Blutwerte der Schildkröten DIREKT nach dem Aufwachen ganz anders sind als die Normalwerte. Aber sie normalisieren sich bis zu dem Zeitpunkt, wo Futteraufnahme und Abgabe der Stoffwechselendprodukte sich wieder eingependelt haben, also dann, wenn der Stoffwechsel wieder normal läuft.
Vielleicht entspricht das genau dem, was du gelesen hast, Herbert! Evtl. werden die Blutwerte durch die Hibernation verändert, und sobald sie zu weit von den Normalwerten abweichen, erhält der Körper das Signal aufwachen, Stoffwechsel hochfahren! Ist nur eine Vermutung - aber das würde doch zu den o.a. Angaben passen! ? !

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