#1 Überwinterung im Kühlschrank von stock 28.05.2020 22:29

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Bevor ich umzog und ein Treibhaus baute für subtropische Schildkröten, überwinterte ich diese im Kühlschrank.

Dies geschah so. Etwa einen bis anderthalb Monate bevor die Tiere in den Kühlschrank kommen sollten (meist Anfang Dezember), fing ich an, das Futter zu verringern (1 x die Woche füttern statt 2 x die Woche und weniger als sonst bis gar nichts) und die Beleuchtungsdauer wöchentlich um eine halbe Stunde zu verkürzen. Da ich keine Heizungen in den Becken in dem Terrarienraum benutzte, senkten sich automatisch auch die Temperaturen in den Becken. Für "Otto-Normalhalter" rate ich daher parallel zur Tageslichtverkürzung auch die Heizung auszuschalten. (Steht das Becken in einem beheizten Wohnraum, sind die Tiere in nicht geheizten Räumen zu bringen.) Nach den sechs Wochen waren die Temperaturen so weit gesunken, daß die Tiere das Fressen eingestellt hatten und sich schon sehr ruhig in ihrer normalen Umgebung verhielten. Dann setzte ich abends jeweils ein Schildkröte in einem Kunstsstoffbehälter, füllte diesen soweit mit kalten Wasser, so daß die Schildkröte den Kopf heben konnte und ohne Probleme Luft holen konnte. Dann legte ich einen Teebeutel Schwarztee ohne Clip und Faden ins Wasser, um eine Verpilzung zu verhindern. Man kann hierfür auch trockenes Laub oder Kokosfaser nehmen. Auf die Kunststoffdose kam dann ein gelochter Deckel. Die Dosen wurden in einen separaten Kühlschrank überführt. Dieser war auf ca. 6 Grad eingestellt. Da ist aber bei den einzelnen Arten auch das Herkunftsgebiet zu beachten, dementsprechend sollte die Temperatur gewählt werden. So waren meine Mauremys japonica bei 6 Grad noch putzmunter. Bei denen fing die Ruhephase erst bei 4 Grad an. Beim Stapeln der Boxen sollte man natürlich darauf achten, daß die Luftlöcher nicht bedeckt sind. Im Kühlschrank blieben dann die Tiere 2 Monate. Zwischenzeitlich kontrollierte ich wöchentlich, ob alles in Ordnung war und lüftete dementsprechend den Kühlschrank. Nach den 2 Monaten überführte ich die Boxen in einem nicht geheizten Raum. Am Tag darauf stellte ich die Boxen in den Terrarienraum und schaltete das Licht wieder an. Sobald die Tiere munter wurden, setzte ich sie auf den Landteil ihrer Becken. Dies Lichtdauer und die Futtermenge erhöhte ich analog der Senkung im Jahr davor.

Dies funktionierte jahrelang ohne Probleme. Die Probleme die dann doch mal auftraten, war ein Stromausfall im gesamten Viertel und ein defekter Kühlschrank. Ersterer lief gimpflich ab, weil nach zwei Stunden der Strom wieder lief. Weniger gut ging es aber ab bei dem streikenden Kühlschrank. Das er nicht mehr funktionierte, stellte ich bei der wöchentlichen Kontrolle fest. Da war es schon zu spät für fast den gesamten Schmuckschildkrötenbestand. Man kann natürlich daraus folgern, öfters zu kontrollieren, aber da ist wieder das Gegenargument, ob man die Tiere nicht dabei zu sehr stört.Wer also einen Kalten Keller hat, sollte dort besser die Tiere überwintern als sich auf die Technik zu verlassen. Aber wie häufig kommen solche Probleme vor? Bei mir kam es ja "nur" zweimal in zwanzig Jahren vor. Davon war einmal zuviel.

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