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#1 Giftpflanzen im Gehege von christine 19.11.2015 07:56

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Hallo!
Selbstverständlich sollte man keine giftigen Pflanzen an die Tiere verfüttern.
ABER – welche Pflanzen sind für unsere Reptilien wirklich giftig?
So gibt es Berichte von Wolfgang Wegehaupt, wo freilebende Schildkröten von der hochgiftigen Meerzwiebel fressen. Wir alle wissen, dass Oleander, Buchs und Ginster giftig ist, jedoch in fast jedem Schildkröten Habitat in teilweiser hoher Anzahl vorkommt.
Auf einer Tagung berichtete Gerhard Jennemann, dass seine Tiere den hochgiftigen Fingerhut fressen ohne davon Schaden zu nehmen
A C H T U N G - bitte probiert das NICHT aus!!!!
Nun frage ich mich, kann es sein, dass Pflanzen, die für Mensch und Säugetier tödlich enden können, für Reptilen nicht giftig, womöglich sogar gut sein sollen?

Ich selbst habe einen Oleander in meinem Gewächshaus stehen er gedeiht in diesem Klima prächtig, die Tiere ignorieren ihn für gewöhnlich, obwohl ich schon gesehen habe, dass einige meiner Schildkröten im Frühling von den frischen Trieben knabbern.

Wie fahrlässig ist es wirklich mediterrane Giftpflanzen im Gehege zu haben?

#2 RE: Giftpflanzen im Gehege von SabineWil 19.11.2015 08:07

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Hallo
Ich glaube dass die Schildkröten genau wissen was sie fressen dürfen und was nicht. Deswegen ist es wichtig dass man genügend Futterpflanzen on den Gheegen hat. Ist eine Giftpflanze darunter, wird sie ignoriert.
Schwierig ist es wenn man Futterpflanzen zusammen mit Giftpflanzen abschneidet und den Tieren vorlegt. Dann können sie nicht mehr unterscheiden was fressbar für sie ist.
Das Gift der meisten Giftpflanzen wird bei den Schildkröten in der Leber gespeichert. Diese kann das Gift wieder abbauen. Frisst die Schildkröte aber zuviele Giftpflanzen, kann es sein dass dieLeber versagt und das Tier stirbt.
Man muss also nicht gleich in Panik ausbrechen wenn die Schildkröte eine Giftpflanze angeknabbert hat.
Ich habe Krokusse und Narzissen im Schildkrötengehege, konnte aber noch nie beobachten dass ein Tier davon fraß.
Schwierig ist es bei der Eibe, die den Boden im Umkreis von 5 Metern vergiftet. Alle Futterpflanzen, die auf diesen Boden wachsne, sind auch vergiftet. Das Eibengift ist tötlich und daher sollte jede Eibe aus dem Garten verbannt werden.
Bei mir wachsen auch Rhododendron im Garten, aber weit ab von den Schildkrötengehegen.
Dass die Schildkröten nach Beobachtungen Meerzwiebel und Fingerhut fressen, heißt nicht dass es ihnen auch bekommt. Eine Schildkröte stirbt langsam.
Auf jeden Fall Giftpflanzen in den Gehegen vermeiden, aber nicht in Panik ausbrechen wenn mal ein Hahnenfuß oder Greiskraut dort wächst.
Viele Grüße
Sabine

#3 RE: Giftpflanzen im Gehege von christine 19.11.2015 08:29

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Danke Sabine für deine Ausführung.
Meinst du, sollte ich den Oleander aus meinem Gewächshaus (ca. 40m² Grundfläche) besser entfernen, oder darf er weiterhin gedeihen?

#4 RE: Giftpflanzen im Gehege von Geka 19.11.2015 09:14

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Hallo,

ich bin auch der Meinung, dass es gefährlich ist, Giftpflanzen VORZUSETZEN als Futter.
Ich würde Oleander & Co. nicht entfernen, weil es Habitatspflanzen sind. Hat die Schildkröte genügend Fläche und ist ihr Futterangebot groß genug, wird ihr Instinkt ihr sagen, was sie fressen darf und was nicht.
Genauso ist es mit Fingerhut. Fingerhut ist giftig - in welcher Dosierung ?? Fingerhut ist genauso gut eine HEILpflanze ! Seine Wirkstoffe: Digitalis werden nach wie vor als Herzmittel verwandt.
Fressen Herrn Jennemanns Schildkröten von dem Fingerhut, würde ich den Tieren und ihren Urinstinkten so weit vertrauen, dass sie ihre Dosis kennen. Jedenfalls bei ADULTEN Tieren. Evtl. brauchten sie etwas zur Herzstärkung?
Die meisten "giftigen" Pflanzen sind ab einer bestimmten Dosis giftig - ansonsten werden sie als Heilpflanze benutzt.

Wie gesagt: dies Vertrauen in die Urinstinkte hätte ich erst bei einer adulten Schildkröte. Nachzuchten sind wie Kinder und naschen schon mal unerfahren.

LG Gundi

#5 RE: Giftpflanzen im Gehege von SabineWil 19.11.2015 09:42

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Liebe Christine
Wenn die Schildkröten nicht an den Oleander herankommen, würde ich ihn im Gewächshaus lassen. Direkt am Boden fände ich es zu gefährlich, weil in einem Gewächshaus einfach nicht soviele Futterpflanzen wachsen und die Schildkröten dann öfters an dem Oleander knabbern könnten. Irgendwann ist es dann zuviel.
Auch wenn viele Giftpflanzen im Habitat wachsen, istd as kein Grund sie auch bei uns im Gehege zu lassen. Im Habitat laufen die Schildkrlöten weite Wege und finden immer wieder gutes Futter. Bei uns ist alles eng und schon aus Langeweile könnten sie falsches fressen.
Eine Oleanderblüte oder ein Blatt schaden sicher nichts, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Liebe Grüße
Sabine

#6 RE: Giftpflanzen im Gehege von christine 19.11.2015 09:54

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Danke Sabine für deine Einschätzung!
Den Oleander hab` ich direkt im Boden eingepflanzt, es liegen jedoch große Steine rund um ihn herum, damit er schön in die Höhe wächst und nicht einen so großen Teil vom Gewächshaus einnimmt.
Futterpflanzen wachsen bei mir auch im Gewächshaus reichlich. An herunterfallende Blüten und Blätter kommen sie jedoch schon heran. Ob und wie viel sie davon auch aufnehmen weiß ich nicht, da jedoch immer wieder welche dort liegen gehe ich davon aus, dass sie diese (zumindest groß teils) verschmähen.

Zitat
(....) bei uns ist alles eng und schon aus Langeweile könnten sie falsches fressen.

das wäre auch eine interessante Diskussion - ob Schildkröten wirklich so etwas wie Langeweile empfinden können? (Vielleicht möchte das ja jemand als Thema zur Diskussion stellen;))

#7 RE: Giftpflanzen im Gehege von Fussel 19.11.2015 10:23

Sabine, ich glaube, du hast es auf den Punkt gebracht.
Nur weil man im Habitat beobachtet hat, dass ein Tier an einer Giftpflanze gefressen hat, muss ihm das nicht bekommen!
Die Wahrscheinlichkeit diesem Tier nochmal über den Weg zu laufen, ist sehr gering. Mir sind diese Aussagen einfach zu schwammig!
Auch in Gefangenschaft fehlen da Langzeitbeobachtungen, denn niemand vergiftet seine Tiere absichtlich!
Sollte eine Schildkröte denoch an einer Giftpflanze fressen, könnte es ja sein, dass sie erst während der Starre stirbt, oder beim Auswintern.......
Meine Meinung, sicher ist sicher!!!

LG Marianne

#8 RE: Giftpflanzen im Gehege von christine 19.11.2015 11:48

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Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr ein Tier z.B. beim Fressen einer Giftpflanze beobachtet?
Magen auspumpen lassen, Tierarzt, Vergiftungszentrale oder einfach nur beobachtet ?

Das ist bitte nur eine theoretische Frage, nicht dass hier jemand glaubt, ich verfüttere meinen Tieren lauter Giftpflanzen Auch meinen Oleander werde ich nach wie vor im Gewächshaus lassen, bei meinen Schildkröten stand schon immer einer im Gehege, schon als ich noch ein Kind war hatten meine Eltern diese Pflanze im Topf im Garten und unsere Tiere hatten damals kein Gehege, das waren "Freigänger"

#9 RE: Giftpflanzen im Gehege von graeca63 19.11.2015 11:49

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Hallo Christine,

großes, schwieriges (Reiz)-Thema!

Ich halte es wie Sabine und bin der Ansicht, dass Giftpflanzen in den Schildkrötenanlagen solange kein Problem darstellen, wie andere Futterpflanzen den Tieren in ausreichender Menge ausreichend zur Verfügung stehen. Außerdem sollten die Umgebungstemperaturen auf einem hohen Niveau gehalten werden, was bei uns nicht immer einfach ist. Efeu z.B. befindet sich seit Jahren in einem meiner Gehege. Die Schildkröten gehen sogar vereinzelt dran. Maiglöckchen wurden auch schon regelrecht abgeweidet. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, den Schildkröten gezielt Giftpflanzen hinzulegen, wie z.B. der Halter von Pantherschildkröten, der seine Tiere in regelmäßigen Abständen giftige Trompetenblüten zu fressen gab, denn „seitdem waren alle seine Tiere regelmäßig „clean“ (wurmfrei). Für genaue Beurteilungen, wann die jeweiligen Giftpflanzen den Reptilien gefährlich werden könnten, fehlen jegliche Untersuchungen. Giftgehalt, Dosis, Wirkung auf Reptilien, Haltungsbedingungen der Schildkröten pp. spielen hierbei eine Rolle.

Ich vermute mal, dass die im Habitat lebenden Schildkröten wesentlich weniger Probleme mit der Aufnahme von Giftpflanzen bekommen als Tiere in Gefangenschaft. Konstant hohe Temperaturen im Sommer halten den Stoffwechsel hoch und lassen das Gift relativ schnell durchmarschieren. Bei unseren kühlen, teils verregneten Sommern könnten Giftpflanzen zu lange im Organismus verweilen, sich ausbreiten und eher Schaden anrichten. Vielleicht tragen auch Schlüpflinge bereits genfixierte Erbinformationen über die Erfahrungen, die die Elterntiere mit bestimmten Futterpflanzen gemacht haben, in sich und können davon profitieren. Vielleicht.

Wie viele vergiftete Schildkröten landen denn alljährlich auf den Tischen der Tierärzte? Gibt es hierfür Statistiken? Und wie wurden diese Schildkröten gehalten? Wie viele Tiere sterben alljährlich im Habitat an vergifteten Pflanzen? Das würde mich interessieren!

Wir wissen einfach viel zu wenig über (Langzeit)-Wirkung von (Gift)-Pflanzen auf Reptilien.

LG Andreas

#10 RE: Giftpflanzen im Gehege von Fussel 19.11.2015 11:50

Also Christine, das denkt hier bestimmt keiner ;)
Meine Antwort ist: Beobachten!

#11 RE: Giftpflanzen im Gehege von christine 19.11.2015 11:57

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Und hier ist er, mein weiß blühender Oleander. Er wächst immer mehr mit dem Rosmarin- und Lavendelstrauch zusammen. Es scheint schon fast als wären sie ein.

#12 RE: Giftpflanzen im Gehege von SabineWil 19.11.2015 12:29

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Liebe Christine
Da Schildkröten Rosmarin und Lavendel nicht fressen, werden sie sicher nicht in diese Pflanzen klettern um den Oleander zu fressen.
Ich würde aber sicherheitshalber runtergefallene Blüten entfernen. Die Blätter werden die Schildkröten nicht mögen, da sie ziemlich hart sind. Getrocknete Oleanderblüten dürften nicht mehr giftig sein.
Viele Grüße
Sabine

#13 RE: Giftpflanzen im Gehege von gunda 19.11.2015 18:58

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Hallo zusammen,
Wieder einmal ein interessantes Thema!
Roger Meek von der British Chelonia Group belegte in einer Untersuchung, dass die Kost einer von ihm untersuchten Gruppe Thb in Montenegro zu 25% aus Pflanzen bestand, die aus unserer Sicht giftig sind. Hier die Übersetzung und Zusammenfassung des englischsprachigen Artikels: http://testudoland.npage.de/fuetterung/s...montenegro.html Oleander wurde nicht erwähnt, aber z.B. Hahnenfuß, Efeu oder Clematis. Ich weiß von einer Halterin, deren SK mit Begeisterung Clematis fressen. Sie hat bis vor Kurzem nicht gewusst, dass sie giftig ist.

Eibe würde ich auch komplett aus dem Gehege (und dem Garten) verbannen.

LG
Gunda

#14 RE: Giftpflanzen im Gehege von cassi 19.11.2015 20:24

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Hallo zusammen,

ein interessantes und schwieriges Thema. Es wurde ja schon erwähnt, dass einige Giftpflanzen auch wiederum Heilpflanzen sind. Andererseits gibt es keine Studien - zumindest so weit ich weiß - über die Toxidität bei Schildkröten.
Sicher kommen Oleander, Ginster und co im Habitat vor. Ich persönlich, und das ist wirklich nur meine Meinung, verzichte ganz bewusst auf die Pflanzung von "verdächtigen" Pflanzen im Schildkrötengehege. Einem Nachbarn sind letztes Jahr 2 Schildkröten verendet nachdem sie reichlich Efeu gefressen hatten (ob letzlich daran, kann ich nicht beurteilen, die Haltung insgesamt war eher suboptimal, vermutlich hatten die Tiere nur einen Mordskohldampf).
Es gibt so viele gute Futterpflanzen, dass ich es nicht für erforderlich halte, evtl. giftige Pflanzen ins Gehege zu setzten. Ich möchte mich da auf die Instinkte meiner Tiere nicht verlassen, vielleicht bin ich da auch etwas ängstlich.
Letztlich muss das jeder Halter ganz persönlich für sich entscheiden.

@Gunda: danke für den Link, ein wirklich sehr interessanter Artikel

LG
Dani

#15 RE: Giftpflanzen im Gehege von christine 20.11.2015 07:45

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Große Gehege und reichlich Futterpflanzen sind natürlich selbstverständlich wenn man sich wagt einen Oleander (oder andere Giftpflanzen) in die Gehege Gestaltung einzubringen. Ganz bestimmt gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Wirklich interessant wäre es natürlich zu wissen, ob die Tiere tatsächlich am Gift des Efeus eingegangen sind oder ob sie krank waren und deshalb so viel Efeu (vielleicht als Heilmittel) zu sich genommen haben. Normalerweise fressen sie den ja nicht.
Eine weiter Frage ist natürlich auch: inwieweit können wir uns tatsächlich auf den Instinkt von in Gefangenschaft gehaltenen Tiere verlassen?

Für alle, die hier mitlesen und sich vielleicht über diese Diskussion wundern: es ist eine rein hypothetische Frage, wir verfüttern unseren Tieren natürlich keine Giftpflanzen und das haben wir auch nicht vor

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