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#1 natürliche Entwurmungsmittel? von christine 21.09.2015 12:56

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Hallo!
Immer wieder umstritten sind sogenannte „natürliche“ Entwurmungsmittel für Reptilien.
Oft wird ein erhöhter Parasitenbefall durch unnatürliche, äußere Bedingungen, wie z.B. Stress, Gehege Wechsel, ungünstige Geschlechterzusammenstellung, hygienische Verunreinigungen,…., verursacht. Kann sich die Darmflora nicht mehr selbständig regenerieren, so muss ein solcher Befall als pathologisch betrachtet werden und ein reptilienerfahrener Tierarzt kann mit entsprechenden Medikamenten die Wurm- bzw. Parasitenlast reduzieren.
Diese Medikamente, die an sich für Säugetiere hergestellt wurden, können die Leber und Nieren unserer Schildkröten jedoch enorm belasten. Bei regelmäßigen und oft unbegründeten „Entwurmungskuren“ könnte das sogar zu irreparablen Schäden dieser Organe führen.
Nun frage ich mich, was sogenannte „natürliche“ Entwurmungsmittel können?
Da ich meine Tiere (ich habe sie seit über 10 Jahren nicht entwurmt) keinesfalls gefährden möchte habe ich heuer einmal ein solches Rezept, welches eigentlich zur Entwurmung von Hunden und Katzen gilt, ausprobiert
Ich pürierte Thymian, Karotten, Kürbiskerne und Salbei mit ein wenig Kokosöl und bot diese Paste den Tieren auf einem kleinen Tellerchen an.
Sie haben es freiwillig gefressen!
Zwei Tage später kontrollierte ich den Kot der Tiere und siehe da, es wurden augenscheinlich Würmer (Oxyuren) ausgeschieden. Und das, obwohl vorher kein augenscheinlicher Befall vorhanden war.
Da alle Zutaten für Schildkröten unbedenklich sind halte ich diese Methode für durchaus überlegungswert.
Lg
christine

#2 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von firlefanz 21.09.2015 19:19

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Hallo und guten Abend!
Vertragen Schildkröten auch Knoblauch?
Dann könntest du deinem Coktail auch noch Knoblauch zufügen. Der ist auch ein tolles Natur-Wurmmittel.
Zwar wohnen bei mir noch keine Panzertiere, aber wenn sie hier einmal wohnen wird's so einen Coktail sicher sporadisch geben. Alles besser als Chemie - wenn sich's vermeiden läßt.

lg
Ingrid

#3 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von christine 21.09.2015 20:00

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Hallo Ingrid!!
Ich kann mir nicht vorstellen dass sie Knoblauch fressen, ein Versuch ist`s aber wert.
lg
christine

#4 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von firlefanz 21.09.2015 21:03

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Eventuell Knoblauchgranulat statt frischem Knoblauch? Der ist nicht sooo intensiv im Geschmack und auch leichter unter zu mischen...

#5 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von Philipp 22.09.2015 07:46

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Hallo Christine,

da bin ich ja mal gespannt und werde das nächstes Jahr auch ausprobieren. Schaden kann's ja nicht

Liebe Grüße
Philipp

#6 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von christine 22.09.2015 07:54

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Hallo!
Es sollte jedoch bei einem pathologischen Parasitenbefall auf keinen Fall den Tierarzt ersetzen!
Ich halte es lediglich für eine Möglichkeit Darmparasiten auf harmlose Art vorzubeugen und nicht zu behandeln, wenn sie bereits in Massen auftreten. Dann MUSS man natürlich zu einem fachkundigen Arzt und vor allem die Ursache finden und beheben.
Lg
Christine

#7 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von firlefanz 22.09.2015 08:26

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nagut - DAS sollte ja schon klar sein.
Es ist natürlich zur Vorbeugung und ein "wehret den Anfängen", nicht eine Behandlung bei starkem Befall.

Und, wenn ich richtig informiert bin, sollte das Wurmthema auch schon im Spät-Sommer angegangen werden, dass es bis zur Winterstarre 1) abgeschlossen und 2) das Mittel samt Würmern komplett ausgeschieden ist.

#8 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von christine 22.09.2015 09:11

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Zitat von firlefanz im Beitrag #7


Und, wenn ich richtig informiert bin, sollte das Wurmthema auch schon im Spät-Sommer angegangen werden, dass es bis zur Winterstarre 1) abgeschlossen und 2) das Mittel samt Würmern komplett ausgeschieden ist.

So ist es, die Würmchen sollten bereits im Sommer erledigt werden.
Ich frage mich nur: ist es möglich, dass ein Parasit seinen Wirt komplett vernichtet? Das wäre doch absurde, warum sollte er das machen, wo in der Natur gibt es denn so etwas?
Also frag` ich mich, was für einen Sinn haben diese Würmchen, immerhin wissen wir ja, dass die Tiere in ihrem Habitat auch teilweise erheblichen verwurmt sind und wohl andere Mittel als Panacur zur Verfügung haben müssen.
lg
christine
PS Bitte nicht falsch verstehen, diese Gedanken sollen keinen Tierarzt und keine professionelle Wurmkur (falls sie notwendig ist) ersetzen.

#9 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von Monika 22.09.2015 18:27

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Hallo,

das Wurmthema ist so eine Sache für sich. Am Wichtigsten ist es vorab den Würmern durch eine rohfaserreiche Ernährung den Nährboden wegzunehmen.

Ich kann mich erinnern vor etlichen Jahren im Internet gelesen zu haben dass jemand aus Italien seinen Schildkröten jährlich einen Brei Von Tomaten und reichlich Knoblauch gegeben hat und seinen Bestand so immer Wurmfrei halten konnte. Ich bin zwar nicht für Tomaten, aber wenn es zum Zweck der Entwurmung einmal im Jahr mithelfen kann, warum nicht. Der Knoblauch selbst soll bei Wurmbefall helfen. Ich wollte es immer einmal ausprobieren, aber wie es so ist werden manche Sachen immer wieder verschoben.
Christines Paste finde ich auch sehr interessant.
Wie ist es aber mit den Würmer, werden diese bei diesen beiden Anwendungen lebend ausgetrieben oder sterben die Würmer vorher ab?
Sicherlich haben die Schildkröten im natürlichen Habitat auch Würmer, bin aber der Meinung dass sie durch gezieltes Futter diese selbst reduzieren. Ich kann mir gut vorstellen dass sich der Wurmbefall im Hochsommer durch die getrockneten Pflanzen die sie ja fressen müssen weil kaum frisches Futter vorhanden ist, sich der Wurmbefall verringert. Oder die Schildkröten wissen instinktiv welche Pflanzen ihnen bei einem Wurmbefall helfen.

Meine Schildkröten fressen gerade im Hochsommer gezielt getrocknete Wildkräuter. Ich denke das ist auch sehr wichtig. Ist im Habitat nicht anders.

Im Kleinmanni Forum habe ich bereits geschrieben dass ein Neuzugang von mir dieses Jahr wegen eines Darmverschlusses operiert werden musste. Darmverschluss durch einen Massenbefall an Würmern. Der Kot war vorher normal, aber wie war die Fütterung? Irgendwie mussten die Würmer sich ja derart vermehren können. Habe dann bei alllen Neuzugängen eine Wurmkur beim Tierarzt machen müssen und ich war geschockt was ausgetrieben wurde. Knäule an Würmern.

Vorsorge ist immer noch die beste Behandlung.

LG Monika

#10 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von christine 22.09.2015 18:43

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Hallo Monika!
Mit den Tomaten sehe ich das wie du. Auch wenn die nicht als Nahrung dienen, so sind sie sicherlich gesünder als sämtliche Medikamente, noch dazu welche, die gar nicht für Reptilien hergestellt wurden.
In Peine hab` ich mich eine halbe Nacht lang mit den „umstrittenen“ Hr. G. Jennemann unterhalten (er übernachtete ja auch bei Gunda) Er hatte gemeinsam mit H.J. Bidmon das Buch „Kotanalysen bei Schildkröten“ verfasst.
Ich glaube, die Würmer lebten noch, als sie ausgeschieden wurden, habe meine Tiere zwei Tage nachdem sie den Brei gefressen hatten in handwarmes Wasser gesetzt.
Muss allerdings ehrlicher weise sagen, dass ich nicht weiß, wie hoch die Wurmlast davor war, augenscheinlich im Kot konnte ich vorher keine Würmer entdecken. Eine Wurmprobe im Frühling war unbedenklich, also + oder vielleicht auch++. Mein Tierarzt ist kein Freund von Entwurmungsmittel, entwurmt demnach nicht bei geringem Befall.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die gemahlenen Kürbiskerne eine ähnliche Wirkung wie Raufutter (also eine Art Darmpeeling) haben. Karotten und Thymian sind ja bekannte Wurmtreibende Mittel.
Interessant wäre nun eine „vorher und nachher“ Kotanalyse.
Lg
christine

#11 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von Monika 22.09.2015 19:01

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Hallo Christine,

bei geringem Befall würde ich auch auf kenen Fall entwurmen. Wenn der Kot fest ist und die Tiere augenscheinlich gesund sehe ich auch keinen Anlass eine Wurmkur zu machen.
Die "vorher und nachher" Kotanalyse könntest Du doch im nächsten oder übernächsten Jahr nachholen.
"Die Kotanalysen bei Schildkröten" besitze ich auch. Herrn Jennemann habe ich in Peine auch "kennengelernt". Nicht persönlich, aber seinen Vortrag fand ich sehr interessant.
Es waren alle Vorträge hochinteressant.

LG Monika

#12 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von Fussel 26.09.2015 17:02

Hallo,
das ist ja hoch interessant! Als ich mal so ein Thema anschnitt, wurde ich sofort auf chemische Entwurmungsmittel hin gewiesen.
Ich habe mal im Rahmen der Hundegesundheit gelesen, dass man in der Tierheilkunde auch Propolis anwendet.
Warum sollte das mit der natürlichen Entwurmung nicht klappen, man muss ja nicht erst warten, bis ein hoher Befall vorhanden ist.

In diesem Jahr hatte ich durch die neue Zusammenstellung meiner Gruppe ziemlichen Stress unter den Tieren beobachten können. Ich dachte mir schon, dass das seine Spuren hinterlassen würde.
Zeitig im Sommer lies ich eine Sammelkotprobe untersuchen, und wie vermutet war der Wurmbefall doch ziemlich hoch. Da probier ich natürlich auch nicht rum und habe herkömmlich mit Panacur entwurmt.
Was ich aber feststellen konnte, dass meine Tiere sehr viel Agrobs und Kräuterheu aus eigener Herstellung gefressen haben, welches sonst nicht bevorzugt gefressen wird.
Als die Entwurmung rum war, fraßen sie wesentlich weniger Kräuterheu.
Mein Fazit:
Es ist ähnlich, wie bei den Calciumquellen, die Tiere fressen instinktiv das Richtige bei Mangelerscheinungen. Das Angebot muss eben zur Verfügung stehen.

Frage noch an Christine:
Hast du die Zutaten nach Gefühl dosiert?

LG Marianne

#13 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von christine 26.09.2015 17:55

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Zu warm?

Hallo Marianne!
Ja, ich habe das so ganz nach Gefühl gemacht.
Die Tiere haben die Paste selbständig gefressen. Die eine mehr, die anderen weniger und eine wollte gar nicht - vielleicht brauchte sie das auch nicht;)
Da es ja ungiftig ist brauche ich auch keine Dosierung.
Ich bin davon Überzeugt, dass die Tiere in freier Wildbahn auch ganz schön unter Stress stehen und auch dort sind sie, zeitweise sogar hochgradig verwurmt. Keiner weiß wirklich in welchem Ausmaß Oxyuren als normal (vielleicht sogar als Notwendigkeit) angesehen werden können.
Umgekehrt ist jedoch die Giftigkeit von Entwurmungsmittel bekannt und auch, dass die Tiere diese Mittel nicht immer ganz so leicht wegstecken.
Lg
christine

#14 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von gunda 19.10.2015 14:39

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Toll, dass es in diesem Forum möglich ist, das heikle Thema Entwurmung zu diskutieren, ohne dass man gleich eins übergebraten bekommt, wenn man nicht dauernd Panacur verabreicht.
Ich bin der Auffassung, dass ein paar Oxyuren zur natürlichen Darmflora der SK gehören, und wahrscheinlich sogar einen Nutzen haben. Es ist nicht nur G.Jennemann, der das behauptet, sondern schon in den 80-er Jahren wurde erwähnt, dass SK im Laufe der Evolution extra einen Dickdarmtrakt entwickelt haben, der auf Nematoden und andere Mikroben spezialisiert ist (Iverson 1982, in http://www.britishcheloniagroup.org.uk/testudo/v7/v7n2meek, Übersetzung auf http://testudoland.npage.de/fuetterung/s...montenegro.html )

Ich bekenne mich dazu, dass ich den Kot meiner Thb nicht regelmäßig untersuchen lasse. Aber manchmal doch - rein interessehalber. Der Befall geht von 0 bis ++ . Panacur habe ich schon lange nicht mehr gegeben. Man kann also davon ausgehen, dass einige meiner SK mittelgradigen Oxyurenbefall haben. Damit gehen sie in die Winterstarre, wachen auf, fressen, und sind augenscheinlich gesund. Mangelerscheinungen sind nicht festzustellen.

Zum Thema Knoblauch: Ich wäre vorsichtig damit, ihnen heimlich Knoblauch unterzujubeln. Nur weil es keine Chemie ist, heißt es nicht, dass es nicht schädlich ist. SK fressen zwar allerlei giftige Pflanzen, aber Alliumgewächse rühren sie freiwillig nicht an. Sie werden wissen, warum.

Meine SK knuspern im Herbst gern heruntergefallene, trockene Johannisbeerblätter. Im Kot findet man viel grobes Zeugs, z.B. auch komplette Vogelbeeren. Ich denke damit befördern sie auf mechanischem Wege überschüssige Würmer nach draußen.

LG
Gunda

#15 RE: natürliche Entwurmungsmittel? von Torsten 11.11.2015 19:54

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auch wenn ich hier auch eine auf die Nuss bekommen.
In der SIF habe ich einen Beiträge gelesen, das die Schildkröten in ihren Habitaten zum Teil hochgradig verwurmt sind und es ihnen nichts ausmacht. Ich hatte mit dem Verfasser dieses Beitrages gestern telefoniert und über dieses Thema gesprochen. Er hat in all den Jahren seine Tiere nie entwurmt auch wenn der Befall hochgradig war. Voraussetzung ist natürlich, das die Tiere naturnah gehalten werden. Als natürliches Entwurmungsmittel kann dann schon grobfasseriges Futter gegeben werden. Die groben Fasern "schieben" die Würmer vor sich her zum "Ausgang". Ich hatte bisher auch nur einmal in 14 Jahren die Tiere entwurmt. Der Verfasser ist auch der Meinung, das Medikamente mehr schaden als sie helfen, da der Körper Monate zum Abbau benötigt und das Tier dadurch geschwächt wird.

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