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#1 Gemüse im Dienste der Wissenschaft von gunda 17.01.2016 17:06

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Liebes Forum,
Lungenentzündungen und Pilzbefall scheinen bei Kühlschranküberwinterung häufiger aufzutreten als in anderen Überwinterungsquartieren. Ebenso die "Posthibernale Panzerröte" - also ein durch Einblutungen rot gefärbter Panzer gegen Ende der Winterstarre. In letzter Zeit wurde einiges darüber veröffentlicht, ohne dass bisher die Ursachen für dieses Phänome vollständig erfasst werden konnte. Es gibt Hinweise, dass sich bestimmte krankmachende Keine im feuchten Milieu der abgedichteten Boxen bei ständig gleichbleibender Temperatur besonders freudig vermehren, während sie sich in einem offenen System (wie im Boden des Gewächshauses) gegenseitig in Schach halten.
Dazu habe ich ein kleines Experiment gemacht, dessen Ergebnis ich euch hier im Forum vorstellen möchte. Wahrscheinlich würde man mich in anderen Foren (besonders in einem ) für ziemlich bekloppt halten, aber ihr seid ja alles aufgeschlossene Schildkrötenhalter darum konfrontiere ich euch jetzt mal mit meinem Experiment:

Gegenüberstellung der Überwinterungsquartiere Kühlschrank und Gewächshaus/ Frühbeet

Ausgangsfrage:
Wo ist die Gefahr des Austrocknens größer?
Wo haben Schimmel und Verwesungsbakterien den schnelleren Zugriff?

Das Experiment:
Am 19.11. habe ich gleichzeitig je eine Möhre und eine Gurke in die Winterstarre geschickt, und zwar in vier verschiedene Quartiere. Natürlich kann man Gurken und Möhren nicht mit Schildkröten gleichsetzen, aber man kann an ihnen die Wirkung äußerer Einflüsse feststellen. Die Möhre habe ich gewählt, weil man an ihr Feuchtigkeitsverlust leicht feststellen kann. Und die Gurke, weil sie sehr wasserhaltig ist und sich bekanntlich schnell zersetzt, und somit für Bakterien und Pilzen eine gute Startbedingungen bietet. Ich habe darauf geachtet, dass die Gemüse jeweils von gleicher Größe und Qualtität waren. Es handelte sich um Bio-Produkte, also unbehandelt durch Chemikalien.

Quartier 1:
Kühlschrank,
Plastikbox mit Floragard SK-Substrat, abgedeckt mit einem passenden Deckel mit Löchern.
Substrat alle 10 Tage etwas nachgefeuchtet.
Temperatur: um 6,5°C

Quartier 2:
Kühlschrank,
Plastikbox mit Floragard SK-Substrat, abgedeckt mit einem feuchten Küchenhandtuch.
Handtuch und Substrat alle 7 Tage etwas nachgefeuchtet.
Temperatur: um 6,5°C

Quartier 3:
Gewächshaus, Überwinterungsquartier meiner Schildkröten,,
Lehmige humose Gartenerde abgedeckt mit Buchen-/Eichenlaub.
Nicht nachgefeuchtet.
Temperatur: 5 – 11°C

Quartier 4:
Frühbeet
Lehmige humose Gartenerde, etwas trockener als Quartier 3, mit etwas Laub abgedeckt, das ganze unter einer Steinplatte in 10cm Abstand. Ein Ort, den sich meine SK gern zur Überwinterung zurückziehen.
Nicht nachgefeuchtet.
Temperatur: 6 – 10°C

Was meint Ihr, was herausgekommen ist?

#2 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von Jutta57 17.01.2016 17:35

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Hallo Gunda,
so eine tolle Idee, aber keine Ahnung. Ich rate mal : alles ist gleich gut
Ich hoffe das Ergebnis wird bald gelüftet.
LG Jutta

#3 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von christine 17.01.2016 18:18

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Hallo Gunda!
Das ist ein sehr interessantes Experiment.
Ich schätze mal dass Nr. 3 oder 4. als Sieger hervorgehen, vermutlich Nr. 4
Bin schon sehr gespannt auf die Auflösung

#4 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von Hannelore 17.01.2016 18:19

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Hi Gunda,
toll!
Und da ich ein absoluter Verfechter der "unter-dem-Frühbeet-Überwinterung" bin, und da ich viele Schildkröten verschiedenen Alters fast 25 Jahre (vorher Kellerüberwinterung) problemlos so überwintert habe ohne jegliche Elektronik, glaube ich, dass sich im Frühbeet die Möhre fast nicht verändert hat und die Gurke zu Matsch geworden ist, vor sich hin fault ohne zu schimmeln. Und ich glaube, dass Du mit dem Frühbeet-Ergebnis am zufriedensten bist.
Im Gewächshaus wird die Möhre etwas geschrumpft sein, die Gurke wird ebenso zu Matsch geworden sein, aber nicht schimmeln.
Im Kühlschrank wird bei beiden Varianten die Möhre schwarz und faul geworden sein, die Gurke wird zerflossen sein und alles wird schimmeln und lange Haare bekommen haben, einschließlich Substrat.
Jetzt bin ich gespannt, was wirklich passiert ist!
Ich liebe Gundas Studien!

#5 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von Fussel 17.01.2016 18:43

Mein Vater hat früher die Möhren zur Konservierung auch immer im Eimer in den Garten eingegraben. Manchmal hat er sie auch nicht wieder gefunden!?
Nur mal so am Rande;)

Achja, Nr. 4 gewinnt!
Ehrlich gesagt, hoffe ich das, weil meine Schlüpflinge gerade genauso überwintern!

#6 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von Mayer 17.01.2016 19:22

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Gunda, das ist ja genial!!!

Ich würde sagen, die Möhre ist jeweils im Kühlschrank eingetrocknet, kaum im Gewächshaus und nicht im Frühbeet.

Gurke: Im Quartier 1 hat Gurke nicht lang überlebt, etwas besser im Quartier 2. Ich würde sagen, die Gurke hat auch nicht im Frühbeet überlebt oder im Glashaus, denn sie ist ja keine Wurzel. Trotzdem dürfte sie da länger gehalten haben als im Kühlschrank.

Ich bin auf die Auflösung gespannt!

Liebe Grüße!

Herbert

#7 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von cassi 17.01.2016 21:04

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Hallo Gunda,

geniale Idee, auch wenn man natürlich Schildkröten nicht mit Möhren oder Gurken vergleichen kann, aber darum gehts ja auch gar nicht.
Ich würde mal vermuten, dass das schlechteste Ergebnis Nr. 1 ist, weil durch den Deckel der Luftaustausch nicht gegeben ist. Viel besser würde ich Nr. 2 auch nicht einschätzen.
Nr. 3 und Nr. 4 werden ... so glaube ich... die besten Ergebnisse erzielen. Ich hatte mal Möhren im Garten im Herbst vergessen auszugraben, sie waren im Frühjahr zwar verfroren (den wir ja im GH oder Frühbeet nicht haben), jedoch nicht schimmliig.
Ich bin mal sehr gespannt auf Dein Ergebnis und danke Dir für diesen super Einfall. Ich bin davon überzeugt, dass uns genau so etwas weiter bringt.

LG
Dani

#8 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von gunda 17.01.2016 22:50

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Hier nochmal das Ausgangsmaterial. Das Gemüse wurde anschließend mit einer ca. 4cm hohen Schicht Erde bedeckt|addpics|1ih-b-132b.jpg,1ih-c-52b2.jpg,1ih-d-c6c4.jpg,1ih-e-9ddf.jpg|/addpics|

#9 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von gunda 17.01.2016 23:04

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Hallo Ihr Lieben,
Danke für Euer Interesse an dem Experiment. Hannelore, Du bist mit deiner Vermutung ziemlich nahe dran.

Ergebnis:

Nach 28 Tagen entdeckte ich Schimmelnester an der Oberfläche der beiden Kühlschrankboxen. Die Erde im Gewächshaus und Frühbeet war dagegen schimmelfrei.

Alle vier Gurken waren unappetitlich weich und befanden sich deutlich im Zersetzungsprozess. Die Kühlschrank-Gurken waren etwas stärker zersetzt als die Gewächshaus- und die Frühbeetgurke.

Die Möhren waren in allen vier Quartieren nach 28 Tagen noch knackig wie am ersten Tag. Der Boden im Quartier 4 (Frühbeet) fühlte sich trockener an als in den Quartieren 1-3, dennoch war die Möhre in keiner Weise eingetrocknet. Die höheren Temperaturen in Quartier 3 und 4 spielten für die Austrocknung der Möhre keine Rolle.
Allerdings zeigten die Möhren in den Quartieren 3 und 4 winzige Fraßspuren. Mäuse? Insekten? Würmer?

|addpics|1ih-f-0f9a.jpg,1ih-g-73dd.jpg,1ih-h-a9df.jpg,1ih-i-a405.jpg|/addpics|

#10 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von gunda 17.01.2016 23:18

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Diskussion:
Ausgerechnet das hygienische Floragard-Substrat im sauberen Kühlschrank war von Schimmel befallen, und zwar sogar bei kühleren Temperaturen. Der von vielen Keimen durchsetzte Gewächshaus-/Frühbeetboden blieb dagegen schimmelfrei. Das sollte schon zu denken geben. Die Frage ist nun, ob der Kühlschrank Schuld ist oder das Substrat oder beides. Ich werde jetzt einen weiteren Test durchführen, bei dem ich eine Box mit Gartenerde + Gemüse 28 Tage in den Kühlschrank stelle. Mal sehen, was dabei herauskommt.

#11 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von danique 18.01.2016 07:31

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Hallo Gunda

Danke für das interessante Experiment. Genau diese Variante, die du jetzt noch durchführen willst, war mir beim Lesen auch in den Sinn gekommen. Dann hast du noch eine genauere Aussage zum Punkt Substrat. Eine Frage noch, da ich das Floragard Produkt nicht in natura kenne; gibts meiner Meinung nach in der CH nicht; wird da die Keimfreiheit speziell als Nutzungsgrund angepriesen?

LG Bernadette

#12 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von Hannelore 18.01.2016 09:12

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Hi,
als ich meine NZ im Kühlschrank überwintert habe, habe ich Gartenerde benutzt mit Laub drauf und über allem ein feuchtes Frotteetuch, das ich immer nachgefeuchtet hab. Ich hab die Tiere nicht zwischendurch gewogen, soweit ich mich erinnere. Es gab keinen Schimmel. In den ersten Jahren habe ich einen Schuhkarton benutzt, in den ich Löcher seitlich gemacht habe. Auf dem Boden, wo die Erde war, hatte ich Alufolie gelegt gegen Durchweichen. Später habe ich eine Plastikbox genommen, aber auch da Löcher seitlich rein gebohrt. Noch später habe ich keine Löcher mehr gemacht. Einmal, als ich eine Plastikbox verwendet habe, hab ich beim Nachfeuchten zu viel Wasser verwendet, die Tiere kamen alle hoch. Ich habe sie umquartiert und alles war wieder o.k. Und einmal war eine NZ von ca. 40 g nach der Starre nicht in Ordnung. Nach einigen Tagen bemerkte ich, dass sie presste und dass ein weißer Stein in der Kloake saß, den ich nicht entfernen konnte. Eine damalige Reptilienärztin vom Kölner Zoo wollte ihn zertrümmern, versuchte aber dennoch zunächst, den Stein mit der Pinzette zu fassen und beschädigte dabei den Darm, verabreichte dem Tiere vorne und hinten Rizinusöl und berechnete 99 DM und gab mir Öl mit und wollte nicht mehr zertrümmern. Das Tier starb in der Nacht. Ob der Harnstein durch die Überwinterung im Kühlschrank entstanden war, kann niemand sagen.

#13 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von gunda 18.01.2016 10:47

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Liebe Bernadette,

Zitat von danique im Beitrag #11

Eine Frage noch, da ich das Floragard Produkt nicht in natura kenne; gibts meiner Meinung nach in der CH nicht; wird da die Keimfreiheit speziell als Nutzungsgrund angepriesen?


Soweit ich weiß wirbt Floragard NICHT mit Keimfreiheit. Aber viele Halter verwenden das Substrat aus diesem Grund. Sie befürchten, dass idie n der Gartenerde enthaltenen Würmer, Insekten oder Bakterien den Schildkröten Schaden zufügen könnten. Manchmal wird auch geraten, die Erde im Backofen zu sterilisieren.

Liebe Hannelore,
Sehr interessant, deine Berichte.

#14 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von christine 18.01.2016 11:15

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Meine persönliche Meinung dazu: Wo Leben vernichtet wird kann Leben nicht gedeihen. All die winzig kleinen Lebewesen (Keime, Würmer,....) leben in engen Zusammenhang miteinander und jede noch so winziges Zelle hat eine Aufgabe im Ganzen zu erfüllen.
Wenn man Erde sterilisiert und Pflanzen darin zum Wachsen bringen möchte, dann funktioniert das nur, wenn man das Substrat entsprechend düngt - das empfinde ich irgendwie als widersprüchlich uns sinnlos.

Ich selbst verwende nur lebendige Erde um die Schildkröten darauf leben zu lassen und auch als Brutsubstrat ist dieses lebende Material wunderbar.
Ich selbst bin ja ein absoluter Frühbeetüberwinterungsfan, halte es jedoch für wesentlich besser die Tiere im Kühlschrank einzuwintern als darauf zu verzichten. Möglicherweise muss man bei der Kühlschranküberwinterung auch in vielen Bereich umdenken. Ich selbst kenne (oder kannte) jemanden, der überwintert seine Europäer (er hat siehr viele) ohne Substrat im Kühlschrank. Die Tiere liegen einfach so am Gitter.
Er schwört auf diese Methode.
Für mich undenkbar, aber durchaus wert darüber auch nach zu denken.

#15 RE: Gemüse im Dienste der Wissenschaft von Krabbel 18.01.2016 11:18

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Hallo,

ich bin bekennende Kühlschranküberwinterin. Ich benutze auch das Substrat von Floragard. Das Substrat finde ich super, da ich es so gut wie nie nachfeuchten muss. Es ist schön locker, die Tiere graben sich so halb ein und oben wird mit Buchenlaub abgedeckt. Bei mir hat auch noch nie etwas geschimmelt.

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